Wort für den Tag - 25. Mai

„Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich!
Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich!“
(Psalm 7,2)

„Der läuft mir immer nach!“ Mit diesem Vorwurf gegenüber einem Geschwisterkind oder Spielkameraden kommen meine Kinder manchmal zu mir. Es ist ein unangenehmes Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, keine ruhige Minute und keinen unbeobachteten Moment zu haben.

In unserer digitalen Welt ist „Verfolgung“ in den letzten Jahren aber auch zu einem Statussymbol geworden. Wer in den sozialen Netzwerken die meisten „Follower“ hinter sich versammelt, wer sich in seinen Beiträgen am häufigsten sichtbar macht und am meisten gesehen wird, der gilt als erfolgreich, erzielt Gewinne und gewinnt an Einfluss.

Gerade in unseren Zeiten von Überwachung, Infokrieg und Verschwörungsideologien kann aber auch dieses digitale Verfolgen und Verfolgtwerden schnell zu einer beklemmenden Erfahrung werden. Da tut es gut – mit Gottvertrauen – immer einmal Abstand zu gewinnen. Von solchen befreienden Momenten erzählt etwa das Lied „Keiner“ der deutschen Rockband Madsen (www.youtube.com ) – vielleicht würde der Verfasser von Psalm 7 heute ganz ähnlich dichten...

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

 

Wort für den Tag - 23. Mai

Wir gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufeinander zu:
Wir können Menschen mit freundlichem Blick anschauen. Wir können ihnen einen Schritt entgegengehen, in normalen Zeiten sogar die Hand reichen.
Aber wir können auch die Arme vor der Brust verschränken oder die Hände in den Taschen stecken lassen. Wir können die Hand zur Faust ballen oder womöglich zuschlagen.

Jesus war jemand mit offenen Armen. Schon Kinder hat er in die Arme genommen. Das war den Leuten um ihn herum peinlich. Er hat es bewusst getan. „Lasst die Kinder kommen“ hat er gesagt. Und er hat noch ganz andere mit offenen Armen begrüßt: Einfache Leute, Menschen am Rande und auch solche, die es nicht verdient haben.

Nehmen wir einmal an, wir begegnen jemandem mit offenen Armen. Gleich heute. Einen Menschen, den wir im Laufe des Tages treffen. Einen, der uns vielleicht geärgert hat. Einen, der uns unterbricht oder stört. Einen, der uns befremdet. Wir brauchen ihn dazu noch nicht einmal berühren. Das geht auch mit 1,5 m Abstand. Wagen wir den kleinen Schritt der offenen Arme!

Pfarrer Volker Klein

Wort für den Tag - 22. Mai

Ein Gedicht zum Einstieg

Ich lebe mein Leben

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(Rainer Maria Rilke)

Himmelfahrt praktisch, oder Perspektivwechsel

„Himmelfahrt“, das habe ich bisher zweimal erlebt: In einem Flugzeug abheben einmal nach Israel und einmal nach Norwegen. „Himmelfahrt“, das war für mich, gerade eben noch auf dem Boden, mit einem beschränkten Blick von 1,69 cm Höhe, und dann in wachsenden Ringen hinauf in die Weite. Und ich überblicke Leipzig und das Land, sehe Häuser, Dörfer, Städte und Länder. Und ich frage mich, was tun die Menschen da unten, was beschäftigt sie gerade und wie leben sie? Vielleicht bedeutet „Himmelfahrt“ ja gerade auch eben das: Den Kopf heben und wahrnehmen, dass da mehr ist als meine kleine Welt.

„Himmelfahrt“ war für die ersten Christen ein erster Schritt in die Verantwortung für die ganze Welt, in eine Gemeinschaft hinein, die getragen von Gott in wachsenden Ringen Verbundenheit schuf.
Und so kreise ich nicht mehr nur um mich selbst.
Diesen Auftrag werde ich wohl letztlich nicht ganz verstehen, aber versuchen will ich ihn.
Und es wird sich darin zeigen, wer ich eigentlich bin.

Ich grüße Sie herzlich

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

Wort für den Tag - 20. Mai

auf und davon?

Na dann viel Spaß zu Christi Männertag! sagte mein dreiundzwanzigjähriger Sohn am Ende seines kurzen Besuches zu mir. Und noch ehe ich ihm mit (gespielter) Empörung antworten konnte, war er schon aus der Tür.
Was er nicht wusste: er hatte mir damit die Anregung für dieses Wort zum Tag geschenkt.

auf und davon
ja so läuft das
im zug der zeit
ins offene verliert
man sich so schnell
und nichts bleibt
außer ein leerer Platz
und das war’s dann

so anders ER
der auffährt zu kommen
in den wirklich letzten winkel
um die große leere auszufüllen
mit seinem geist der alles andere ist
als nur ein flüchtiger dunst
weil er alles ändert
mit einem wort
kommt er
in liebe
zu mir

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag zu Christi Himmelfahrt!
Ihr Heinz Schneemann

Wort für den Tag - 19. Mai

Der weise König Salomo hatte bei Gott einen Wunsch frei. Er bat: „Gib mir ein gehorsames Herz, damit ich … verstehe, was gut und böse ist.“ (nach 1. Könige 3,9) Brauchen wir nicht auch so einen inneren Kompass, damit wir nicht vom Weg abkommen? Man sieht im Fernsehen und liest in Gerichtsreportagen von Menschen, die Schreckliches tun und dabei ohne jedes Schuldgefühl sind. Kein Gewissen schlägt. Oft ist nicht einmal ein nachvollziehbares Motiv zu erkennen. Keinerlei Mitgefühl für die Person, die leidend zurückbleibt… Ich frage mich ratlos: Was ist da los? Was geht in solchen Menschen vor? Könnte ich in Extremsituationen auch so etwas tun? Was kann uns davor bewahren, in solcher Lage total auszurasten? „Verstehen, was gut und böse ist.“ Weiß das nicht jeder, zumindest theoretisch? Theoretisch ja, aber offenbar fehlt’s uns am „gehorsamen Herz“. Ich meine damit: Ich könnte für mich selbst auch nicht die Hand in’s Feuer legen, dass mir niemals so etwas passieren könnte, wo ich schreiendes Unrecht tue und es nicht einsehe. Gott bewahre mich davor! Ja, das war es auch, was der weise König Salomo sich wünschte...

Alles Gute von oben wünscht Euch Euer Günther Jacob

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