Wort für den Tag - 10. August 2021

Haben Sie schon gehört?, spricht mich der Apotheker an.

Von New York? Es ist etwas Furchtbares geschehen.

 

Ohne etwas einzukaufen, gehe ich gleich nach Hause.

Mich begleitet ein bedrückendes Gefühl. Ich schalte das Fernsehgerät ein,

und fassungslos sehe ich die ständige Wiederholung der Bilder des Terroranschlags auf die beiden Türme des World Trade Center.

 

Ich will heute daran erinnern, was sich morgen vor 20 Jahren, am 11. September 2001 ereignet hat.

 

Wahnsinnige Selbstmord-Attentäter haben mit 2 Passagierflugzeugen fast Dreitausend am Beginn ihres Alltags aus heiterem Himmel in den Tod gerissen. Mutwillig flogen sie in die beiden Hochhaus - Türme und begruben die Menschen unter ihren Trümmern.

 

Mir gelingt es erst am Folgetag, ein paar Worte zu finden:

 

sprachlos

die stimme erstickt mir

tränen in meinen augen

fassungslos das entsetzen

terror ohne beispiel

menschen

in der luft entführt

von fanatischen selbsmördern

wahnsinnigen

missbraucht gequält

hingemetzelt zu fliegenden geschossen

ich liege und kann nicht schlafen

nein ich kann nicht beten

diese kriegsbilder lassen mich nicht los

sie mischen sich

mit bildern meiner kinderseele

flammendes inferno in der zerbombten stadt

was soll nun werden was wird geschehen

ich beginne ein bekenntnis zu buchstabieren

ich will widerstehen dem ruf nach vergeltung

menschen anderer weltanschauung und lebensart tolerieren

und mithelfen an einer allianz aller religionen der erde

für den frieden der völker

 

Rolf-Dieter Hansmann

 

Wort für den Tag - 9. September 2021

Gottes Mitarbeiter

Der Lehrtext für die heutige Losung steht im ersten Brief den Paulus an die Korinther und lautet: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“

Mein erster Gedanke dazu war „Wirklich jetzt?“ Jetzt fangen wir in der Kirche auch noch an mit dem Chef und den Mitarbeitern? Haben wir nicht im Alltag schon oft genug die Rolle des Mitarbeiters, der vom Chef gesagt bekommt, was er zu tun und zu lassen hat? Nun kommt Gott also auch noch und sieht uns als seine Angestellten. Wir alle arbeiten für den großen Chef da oben.

Irgendwie passt das ja mal so gar nicht zu meinen Vorstellungen von Gott. Wir sprechen doch sonst immer von einem liebenden Gott, der uns so aufnimmt wie wir sind. Ein Gott, bei dem wir uns auch mal fallen lassen dürfen und nicht immer nur schuften müssen.

Nach etwas längeren Nachdenken, musste ich an all die Mitarbeitenden in unseren Gemeinden denken, die ja schon irgendwie Mitarbeiter in Gottes Kirche sind. Von hauptamtlichen Pfarrern*innen, Kantoren*innen und Gemeindepädagoginnen, den Pfarramtsmitarbeitenden, den Hausmeistern,  über die Kirchenvorstände, den Teamern, Kindergottesdienstgestaltenden, Kirchendiensttuenden, Blumendiensten und noch so vielen anderen mehr. An allen Ecken und Enden wuselt, werkelt, arbeitet es in der Gemeinde. Sie alle sorgen dafür, dass Gemeinde funktioniert. Das es Gruppen und Kreise gibt, wir beim Gottesdienst nicht im Dunkeln sitzen und und und.

Ob Paulus das gemeint hat mit seiner Aussage „Wir sind Gottes Mitarbeiter“? Ich glaube er hat zumindest nicht nur das gemeint. Ich denke es geht Paulus noch um etwas Größeres. Es geht ihm um uns alle. Denn wir alle sind Gottes Mitarbeiter!

Gott selbst wirkt auch durch uns Menschen. Und dann bedeutet Gottes Mitarbeiter sein ich helfe Gott. Ich helfe Gott seine Welt zu gestalten. Dabei gibt Gott uns nur die Richtung vor und steht uns zur Seite. Gestalten können wir ganz allein. Das ist unser Projekt. Das Beste daran ist, wir alle sind dabei gleich wichtig, denn jede*r hat etwas einzubringen. Ein jede*r mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat.

Und deshalb können wir voller Stolz sagen: „Ich bin ein*e Mitarbeiter*in Gottes!“ Denn wir haben die Möglichkeit mit Gott gemeinsam an einer Welt zu arbeiten, in der wir uns alle  zuhause und  aufgehoben fühlen. Dabei ist Gott nicht der Chef, der die Aufgaben verteilt, sondern vielmehr ein Partner, der uns bei unseren Vorhaben hilft und unterstützt, wenn wir mal nicht mehr weiter wissen.

Ihr/Euer

Tom Gelf

 

Wort für den Tag - 8. September 2021

Du bist
Gut.
Genug.
Gesegnet.

Diesen Spruch sah ich neulich auf eine Straße gesprüht. Zum Schuljahresbeginn hat das Landesjugendpfarramt diese Worte als Begleitung für alle Schülerinnen und Schüler mitgegeben. Mich haben diese Worte besonders berührt. Gut. Genug. Gesegnet. Als Schülerin hatte ich nie das Gefühl gut oder genug zu sein, obwohl ich eine sehr gute Schülerin war. In meinem Elternhaus war Leistung enorm wichtig. Dabei kam der Leistungsdruck aus der tiefen Erfahrung meiner Mutter heraus, selbst nicht gut und genug zu sein. Nach der Wende hatte sie trotz hervorragender Leistungen wie so viele andere ihre Arbeit, ja ihren ganzen Beruf verloren. Aus Angst, dass es mir später auch so gehen könnte, trieb sie mich an. Dabei zählt so viel mehr im Leben. Das, was man mit anderen erlebt und für andere tut. Auch das, was man mit Gott erlebt. Gott spricht uns das zu: Wir sind gut, genug und gesegnet. Er liebt uns auch mit schlechten Leistungen, denn er sieht in unser Herz. Ich wünsche uns allen, dass wir uns das bewusst machen können, wann immer wir es brauchen. Als Erinnerung bietet das Landesjugendpfarramt Postkarten an, die man sich über den Schreibtisch hängen kann: www.evjusa.de/projekte/schulstartaktion.


(Foto: EvJuSa)

Wort für den Tag - 7. September 2021

„Sünder!“

Ein Wort, mit dem man sich ungern betiteln lässt. Nicht durch andere aber auch nicht durch einen selbst. Die gestrige Tageslosung spricht reuevoll von der eigenen Sündhaftigkeit:

Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen. (Psalm 106,6)

In einem sehr spannenden Gespräch mit Freunden wurde ich auf eine Frage gestoßen, die mich seither sehr beschäftigt. Es ging es darum, dass besagte Freunde sich in ihrem Glauben mit der Person Jesu schwertun. In ihrer Vorstellung von Gott fällt es ihnen viel leichter, mit Gott als Weltenerschaffer und Vater und als heiligem Geist umzugehen, als mit dem Sohn Jesus. Die Vorstellung eines Menschen, der gleichzeitig Gott sei, verzerre doch das Göttliche, würde doch die Vorstellung eines vollkommenen Gottes beeinträchtigen. Im Verlauf des Gesprächs kamen wir schließlich auf die Frage, ob wir denn glaubten, dass wir mit Sünde beladene Menschen wären und ob wir der Vergebung dieser Sünde durch den Opfertod Jesu nötig hätten. Besagte Freunde verneinten dies. Darin steckte keine Arroganz, dass man über so etwas wie Sünde und Vergebung erhaben sei, sondern das Gefühl, dass hinter dem Begriff der Sünde eine Verdammung steckt, die sich schwer mit dem Bild eines liebenden Gottes verbinden lässt.

Die Frage, die mich aus diesem Gespräch seither begleitet ist, wie wichtig Sünde und Sündenvergebung für unseren Glauben als Christen in der Gegenwart sind – und was das mit unserem Christusbild macht. Ich glaube, dass diese Frage sehr schwer zu beantworten ist. Bereits der Begriff der Sünde ist schon kompliziert. Da scheint es um mehr als nur um Unrecht zu gehen. Mehr als um die Beschädigung zwischenmenschlicher Beziehung. Auch die Beziehung zu Gott scheint in den Blick genommen zu sein. In den freikirchlichen Gemeinden, mit denen ich in meiner Jugend viel in Kontakt gekommen bin, war es die allgemeine Überzeugung, dass jeder ein Sünder war. Weniger im Sinne sog. Erbsünde sondern im Sinne einer generelle Fehlbarkeit des Menschen im sozialen Umgang untereinander. Die alltäglich erfahrbare eigene Unvollkommenheit wurde als Makel deklariert, aus dem nur der Glaube an Jesus befreien könne. Wie genau, das bleibt oft offen. Es ist ein Ansatz der auch in der Sektenforschung kritisch betrachtet wird, besonders wenn der Ausweg aus der proklamierten Unvollkommenheit ausschließlich über die eigenhändig verwalteten Heilsmechanismen geboten wird. Auch vor diesem Hintergrund kann ich die Vorbehalte meiner Freunde aus den geschilderten Gespräch gegenüber der Glaubensgestalt Jesus verstehen.

Und doch liegt gerade in dem Zuspruch der Sündenvergebung etwas für mich ungreifbares aber zu tiefst bewegendes. Etwas, das mir auch im stärksten Selbstzweifel Selbstachtung anbietet. Vielleicht bin ich damit einem sektenhaften Trick auf den Leim gegangen. Vielleicht ist aber auch nicht entscheidend, was genau die Sünde ist, sondern dass sie vergeben ist und wir österlich singen können: „Sünd ist vergeben, Hallelujah! Jesus bringt leben, Hallelujah!“

Wie geht es Ihnen verehrte Leserin und verehrter Leser? Welche Rolle spielt die Sünde und ihre Vergebung in Ihrem Glaubensleben?

Ulrich v. Ulmenstein

 

Wort für den Tag - 6. September 2021

Erster Schultag nach den Sommerferien: Für fast 500.000 sächsische Schülerinnen und Schüler fängt die Schule heute wieder oder neu an. Die meisten von ihnen haben gerade anderthalb Jahre Corona-Schule hinter sich, mit Fernunterricht, Wechselunterricht, stapelweise Aufgabenblättern, manchen Videokonferenzen, teilweise großer sozialer Isolation und müden, überforderten Eltern. Was wird das neue Schuljahr bringen? Haben Lehrerinnen und Lehrer sich gut vorbereiten können? Wird die Zusage, erneute Schulschließungen dürfe es nicht geben, sich durchhalten lassen? Reichen die geplanten Teststrategien aus?

Gott, du willst uns trösten, wie eine Mutter tröstet. Du bist unser Vater, unser Gott und Hort, der uns hilft.
Jesus, du hast allen gezeigt: Kinder sind dir wichtig.
Mit Freude und voller Erwartungen gehen wir in dieses neue Schuljahr.
Mit Angst und Sorge blicken wir aber auch auf die unsichere Corona-Lage.

Gott, wir bitten dich:
Für die Schülerinnen und Schüler, dass sie in ihren Klassen Freundschaft und Geborgenheit erfahren. Dass sie solidarisch miteinander umgehen und auf die Schwächeren achten. Dass sie Freude am Lernen haben und von ihren Lehrerinnen und Lehrern gut gefördert werden.

Wir bitten dich besonders für alle Kinder, die neu in der Schule sind oder auf eine neue Schule wechseln: lass sie Freunde finden, lass sie in ihrer Klasse und ihrer Schule zu einer guten Gemeinschaft zusammenwachsen.

Wir bitten für die Lehrerinnen und Lehrer: Dass sie Freude an ihrer Arbeit haben und auf Herausforderungen mit Geduld und guten Ideen reagieren. Dass sie freundlich und liebevoll mit den ihnen anvertrauten Kindern umgehen.

Für die Eltern bitten wir: Gott begleite und beschütze euch, so wie ihr eure Kinder begleitet und beschützt.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist segne uns heute an diesem Schulanfang und an jedem Tag in diesem Schuljahr.

Amen.

-- Silke Horstkotte

 

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